Aktuell im GmbHStB

Thesaurierende GmbH & Co. KG (Schiffers, GmbH-StB 2021, 56)

In der mittelständischen Wirtschaft erfolgt die Finanzierung der Gesellschaft regelmäßig zu einem maßgeblichen Teil über Gewinnthesaurierungen. In diesen Fällen ist nun allerdings die Personengesellschaft, welche in Form der GmbH & Co. KG im Mittelstand die Alternative zur GmbH ist, steuerlich gegenüber der GmbH deutlich im Nachteil. Während thesaurierte Gewinne bei der GmbH mit ca. 30 % belastet werden, ergibt sich bei der GmbH & Co. KG auf Grund der transparenten Mitunternehmerbesteuerung – im Grundsatz unabhängig von der Gewinnverwendung – eine Gesamtbelastung von gut 48 %. Insoweit müssen Überlegungen angestellt werden, wie die steuerliche Belastung der thesaurierenden GmbH & Co. KG gesenkt werden kann. Die verschiedenen Möglichkeiten, deren Grenzen und das geplante Optionsmodell zur KSt-Pflicht werden im Folgenden dargestellt.


I. Ausgangssituation: Vor- und Nachteile der  Besteuerung von Personengesellschaften im  Überblick

II. Nutzung des Sondersteuersatzes nach  § 34a EStG

1. Praxisprobleme bei aktueller Ausgestaltung des § 34a EStG

2. Flexibilität bei Anwendung des § 34a EStG

3. Zwischenfazit

III. Thesaurierung über die Komplementär-GmbH

1. Zuweisung über Gewinnverteilung

2. Sondervergütungen

a) Modell: Kosten der GmbH werden weitgehend von KG erstattet

b) BFH erkennt dieses Modell nicht an

c) Praktische Umsetzung der BFH-Wertungen

IV. Beteiligungs-Kapitalgesellschaft

1. Bündelung mehrerer Beteiligungen

2. Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG = eingeschränkte Flexibilität

3. Wie lässt sich Buchwertneutralität erreichen?

V. Geplant: Möglichkeit für Personengesellschaften zur Option zur KSt

1. Vergangene Optionsmodellüberlegungen

2. Aktuell diskutiertes Optionsmodell

3. Einschätzung

VI. Fazit
 

I. Ausgangssituation: Vor- und Nachteile der Besteuerung von Personengesellschaften im Überblick

Vorweg wird – in aller Kürze und auf die Kernpunkte konzentriert – auf die steuerlichen Vor- und aber auch Nachteile der GmbH & Co. KG als Rechtsformalternative zur GmbH hingewiesen. Dies zum besseren Verständnis zum einen, aus welchen Gründen die GmbH & Co. KG im Mittelstand vielfach die präferierte Rechtsform darstellt, zum anderen aber auch, warum in bestimmten Situationen Gestaltungsbedarf besteht.
 

Merkmal

Vorteil

GmbH & Co. KG zur GmbH

Nachteil

GmbH & Co. KG zur GmbH

Laufende Besteuerung

● Anrechnung § 35 EStG kann Zusatzbelastung durch GewSt-liche Hinzurechnungen ausgleichen

● deutlicher (temporärer) Belastungsnachteil bei Gewinnthesaurierung

 

● Möglichkeiten der Verlustverrechnung mit anderen Einkunftsquellen bei der ESt

 

 

 

● ESt: weniger restriktive Wirkung der Mindestbesteuerung und der Betragsgrenzen beim Verlustvortrag, da Mitunternehmerbezogen

 

Steuerliche Risiken

● Keine vGA-Risiken

● Risiko Anrechnungsüberhänge § 35 EStG

Entgeltliche Anteilsübertragung

● Erwerber: Abschreibbarkeit bezahlter stiller Reserven über Ergänzungsbilanz

● Veräußerer: Steuersatzermäßigung nach § 34 EStG an enge Bedingungen geknüpft

 

● Erwerber: Geltendmachung von Refinanzierungsaufwand aus Finanzierung des Anteilserwerbs steuerlich unproblematisch

 

Unentgeltliche Anteilsübertragung

● ertragsteuerlich hohe Flexibilität nach § 6 Abs. 3 EStG auch im Hinblick auf Sonder-BV

 

 

● erbschaftsteuerliche Begünstigung auch bei geringerer Anteilsquote

 

Umstrukturierungen

● sehr hohe Flexibilität durch Nutzung § 6 Abs. 5 und Abs. 3 EStG, Grundsätze der Realteilung, der Anwachsung und ggf. mittels § 6b EStG

 

 

● Übertragung von Grundbesitz vom und auf den Gesellschafter weitestgehend grunderwerbsteuerfrei möglich

 

Steuerstatus Gesellschafter

● keine Problematik der Wegzugsbesteuerung nach § 6 AStG

 

Grundproblematik der größeren mittelständischen GmbH & Co. KG ist der deutliche (temporäre) Belastungsnachteil bei Gewinnthesaurierung.

Beraterhinweis Gestaltungen müssen also darauf zielen, die Belastung bei Gewinnthesaurierung zu senken, ohne die anderen Vorteile der GmbH & Co. KG in größerem Maße zu gefährden.

II. Nutzung des Sondersteuersatzes nach § 34a EStG

Bei ertragstarken Gesellschaften des Mittelstandes erfolgt die Finanzierung der Gesellschaft regelmäßig zu einem maßgeblichen Teil über Gewinnthesaurierungen. Im steuerlichen Grundmodell der Mitunternehmerbesteuerung ist dies allerdings im Vergleich zur Kapitalgesellschaft äußerst ungünstig:

  • einer Belastung der GmbH & Co. KG mit Ertragsteuern von fast 50 %
  • steht bei der Kapitalgesellschaft eine Belastung von gut 30 % gegenüber.


Insofern ergibt sich eine erheblich geringere Möglichkeit der Selbstfinanzierung. Diese Nachteile wollte der Gesetzgeber i.R.d. Unternehmenssteuerreform 2008 mit § 34a EStG begegnen. Es sollte mit diesem Sondersteuersatz eine Belastungsneutralität zwischen Personen- und Kapitalgesellschaften erreicht werden.

1. Praxisprobleme bei aktueller Ausgestaltung des § 34a EStG

In der Praxis stellen sich im Hinblick auf die aktuelle Ausgestaltung des § 34a EStG allerdings insbesondere folgende Probleme:

Nur „Gewinn nach GewSt“ kann begünstigt besteuert werden: Nach herrschenden Auslegungsverständnis der Norm kann nur der Gewinn nach GewSt der begünstigten Besteuerung nach § 34a Abs. 1 EStG unterworfen werden, was zu einer höheren Belastung als bei einer vergleichbaren Kapitalgesellschaft führt, da bei dieser der vergleichsweise günstige Körperschaftsteuer-(KSt)satz auf den gesamten Gewinn vor Steuern anzuwenden ist. Verstärkt wird dieser Effekt noch dann, wenn die ESt-Belastung auf den Gewinnanteil aus der Mitunternehmerschaft aus dem Gewinn der Gesellschaft finanziert wird. Insoweit muss zusammenfassend festgestellt werden, dass durch Anwendung des § 34a EStG die Steuerbelastung zwar temporär um gut 10 %-Punkte angesenkt werden kann, jedoch diese damit immer noch ca. 6 %-Punkte über der der thesaurierenden Kapitalgesellschaft liegt. Verstärkt wird dieser Effekt noch dadurch, dass die Thesaurierungsbegünstigung bei den Vorauszahlungen zur ESt ausdrücklich nicht berücksichtigt wird, so dass zunächst höhere Vorauszahlungen vorzufinanzieren sind. Im Ergebnis wird damit das Ziel der Angleichung der Steuerbelastung nicht erreicht.

Beraterhinweis Leicht entlastend wirkt insoweit die bereits mit Wirkung ab dem VZ 2020 (...)



Verlag Dr. Otto Schmidt vom 11.02.2021 14:51
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt

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