Aktuell im EStB

Ertragsteuerliche Änderungen durch das JStG 2020 (Warnke, EStB 2021, 38)

Der Bundestag hat am 16.12.2020 das Jahressteuergesetz 2020 (JStG 2020, BGBl. I 2020, 3096) in 2. und 3. Lesung beschlossen (BR-Drucks. 746/20) und ist den Empfehlungen seines Finanzausschusses vom 9.12.2020 gefolgt. Der Bundesrat hat am 18.12.2020 dem Gesetz ebenfalls zugestimmt. Es sieht in verschiedenen Bereichen des deutschen Steuerrechts Änderungen vor, zum einen aufgrund von Anpassungen an EU-Recht sowie als Reaktion auf die BFH-Rechtsprechung, zum anderen zur Umsetzung steuerpolitischer Entscheidungen. Der Beitrag erläutert die wesentlichen ertragsteuerlichen Änderungen, die mit wenigen Ausnahmen am 29.12.2020, dem Tag nach der Verkündung des Gesetzes im Bundesgesetzblatt, in Kraft getreten sind.


I. Änderungen im Einkommensteuerrecht

1. Einführung einer Homeoffice-Pauschale (§ 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 4 EStG)

2. Investitionsabzugsbeträge nach § 7g EStG

3. Einkünfte aus Kapitalvermögen

a) Abgeltungsteuertarif bei Anteilseignern

b) Anhebung der verrechenbaren Verluste aus Termingeschäften und Forderungsausfall

c) Neuregelungen bei Aktien

4. Verbilligte Wohnraumüberlassung (§ 21 Abs. 2 S. 1 EStG)

II. Änderungen im Lohnsteuerrecht

1. Corona-Maßnahmen

2. Outplacement-Beratungsleistungen für ausscheidende Arbeitnehmer

3. Sachbezüge und Zuschüsse

4. Klarstellung bei der neuen Pauschalierung nach § 40a Abs. 7 EStG

5. Änderungen im Bescheinigungsverfahren für den steuerfreien Zuschuss und die LSt-Berechnung

III. Änderungen im Gewerbesteuerrecht

1. Gewerbesteuerliche Hinzurechnung bestimmter Verlustanteile

2. Entsprechende Anwendung des § 8d KStG auf gewerbesteuerliche Fehlbeträge

IV. Änderungen im Investmentsteuerrecht

1. Qualifikation als Investmentfonds

2. Doppelte Transparenz von Dach-/Zielfondsstrukturen

3. Kapitalertragsteuerabzug durch Investmentfonds

 

I. Änderungen im Einkommensteuerrecht

1. Einführung einer Homeoffice-Pauschale (§ 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 4 EStG)


Hintergrund: Zu den prominentesten Änderungen des JStG 2020 gehört die Einführung der sog. Homeoffice-Pauschale, welche im Vorfeld von mehreren politischen Parteien und Verbänden wiederholt gefordert wurde. Dies, weil aufgrund der Corona-Pandemie eine Vielzahl von Arbeitnehmern, Gewerbetreibenden und Selbständigen dazu gezwungen ist, ihren beruflichen bzw. betrieblichen Tätigkeiten an einem Arbeitsplatz in ihrer Wohnung nachzugehen und hierdurch beruflich oder betrieblich veranlasste Mehraufwendungen entstehen. Diese Mehraufwendungen waren für steuerliche Zwecke bislang nur abziehbar, wenn es sich bei dem Homeoffice um ein sog. häusliches Arbeitszimmer handelt. In vielen Fällen erfüllten die Steuerpflichtigen hingegen nicht die gesetzlich normierten Voraussetzungen für einen Abzug von Aufwendungen für ein häusliches Arbeitszimmer nach § 4 Abs. 5 S. 1 Nr. 6b S. 2 und 3 EStG (s. hierzu auch das Schreiben des BMF v. 6.10.2017 – IV C 6 - S 2145/07/10002 :019 – DOK 2017/0224975, EStB 2017, 434), da sie z.B. über keinen separaten Raum verfügen oder dieser Raum nicht ausschließlich oder fast ausschließlich beruflich oder betrieblich genutzt wird.

Neuregelung: Für diese Fälle gewährt die Homeoffice-Pauschale für die Jahre 2020 und 2021 (vgl. § 52 Abs. 6 S. 13 EStG) für jeden Kalendertag, an dem die berufliche oder betriebliche Tätigkeit ausschließlich im Homeoffice ausgeübt wird, einen WK-Abzug i.H.v. 5 €. Die Homeoffice-WK sind auf 600 € im Kalender- oder Wirtschaftsjahr begrenzt und werden nicht zusätzlich zum Arbeitnehmer-Pauschbetrag des § 9a S. 1 Nr. 1 Buchst. a EStG i.H.v. 1.000 € gewährt. Die Homeoffice-Pauschale gilt für die gesamte betriebliche und berufliche Betätigung des Steuerpflichtigen.

2. Investitionsabzugsbeträge nach § 7g EStG

Änderungen: Investitionsabzugsbeträge (IAB) nach § 7g EStG ermöglichen die Vorverlagerung von Abschreibungspotential in ein Wirtschaftsjahr vor Anschaffung/Herstellung begünstigter Wirtschaftsgüter. Voraussetzung ist bislang, dass Wirtschaftsgüter zum Anlagevermögen gehören und im Jahr der Investition und im Folgejahr zu mindestens 90 % im Betrieb genutzt werden.

Künftig sind auch Wirtschaftsgüter begünstigt, die in diesem Zeitraum vermietet werden. Das gilt laut Gesetzesbegründung auch, wenn der Steuerpflichtige das Wirtschaftsgut an einen anderen eigenen Betrieb vermietet. Gleichzeitig werden die begünstigten Investitionskosten von 40 % auf 50 % angehoben (§ 7g Abs. 1 S. 1 EStG). Zudem gilt künftig für alle Einkunftsarten eine einheitliche Gewinngrenze i.H.v. 200.000 € (Regierungsentwurf: EStB 2021, 39150.000 €) als Voraussetzung für die Inanspruchnahme von IAB (§ 7g Abs. 1 S. 2 Nr. 1 EStG). Bislang knüpft das Größenkriterium z.B. bei bilanzierenden Gewerbetreibenden an den Wert des BV an (höchstens 235.000 €).

Erstmalige Anwendung: Die Neuregelungen kommen bereits im VZ 2020 zur Anwendung (§ 52 Abs. 16 S. 1 EStG). Für Steuerpflichtige mit abweichendem Wirtschaftsjahr wird ein (...)



Verlag Dr. Otto Schmidt vom 21.01.2021 15:21
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt

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