Aktuell im GmbHStB

Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in eine vermögensverwaltende Personengesellschaft (Herkens, GmbHStB 2020, 333)

Nach den Regelungen des UmwStG kann eine Kapitalgesellschaft unter bestimmten Voraussetzungen zum Buchwert in eine Personengesellschaft umgewandelt werden. Verfügt die Personengesellschaft nicht über Betriebsvermögen, sind jedoch die stillen Reserven aufzudecken und diese unterliegen der KSt und ggf. der GewSt. Dieser Beitrag erläutert die steuerrechtlichen Folgen der Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in eine vermögensverwaltende Personengesellschaft. Anschließend werden die Auswirkungen auf die Gesellschaft und die Gesellschafter an dem Beispiel des Formwechsels einer Grundstücks-GmbH in eine Grundstücks-GbR dargestellt.


I. Einführung

II. Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in eine vermögensverwaltende Personengesellschaft

III. Besteuerung bei der Kapitalgesellschaft

IV. Besteuerung der Anteilseigner

V. Besteuerung der Personengesellschaft

VI. Zusammenfassendes Beispiel

1. Sachverhalt

2. Lösung

a) Besteuerung der AB‑GmbH im VZ 2018

b) Besteuerung von A und B im VZ 2018

c) Besteuerung der AB‑GbR im VZ 2019

VII. Zusammenfassung
 

I. Einführung

Die ertragsteuerrechtlichen Folgen der Umwandlung einer Kapitalgesellschaft in eine gewerbliche Personengesellschaft (Mitunternehmerschaft) ergeben sich

für die Kapitalgesellschaft aus § 3 UmwStG und
für die Anteilseigner sowie die Personengesellschaft aus den §§ 4–7 UmwStG.

Zu den Voraussetzungen, dass die Buchwerte (BW) der übergehenden Wirtschaftsgüter auf Antrag fortgeführt werden können, gehört nach § 3 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 UmwStG, dass sie Betriebsvermögen (BV) der übernehmenden Personengesellschaft werden. Die stillen Reserven des BV sind dann nicht aufzudecken und ein körperschaftsteuerpflichtiger und ggf. gewerbesteuerpflichtiger Übertragungsgewinn der Kapitalgesellschaft wird vermieden.

Beispiel 1
Die A‑GmbH betreibt eine Autowerkstatt und wird auf die X‑GmbH & Co. KG verschmolzen. Die BW-Fortführung wird nicht durch § 3 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 UmwStG verhindert, da die X‑GmbH & Co. KG nach der Umwandlung über BV (Betrieb der Autowerkstatt) verfügt.

Beachten Sie: Unabhängig von der BW-Fortführung gelten die (noch) vorhandenen Gewinne der Kapitalgesellschaft zum Umwandlungsstichtag als kapitalertragsteuerpflichtige Ausschüttungen (§ 7 UmwStG). Insoweit kann die Umwandlung nicht „steuerneutral“ erfolgen.

Durch die Umwandlung gehen nicht nur die Kapitalgesellschaft, sondern auch deren Anteile unter. Bei den Anteilseignern ist ein daraus resultierender Übernahmegewinn bzw. -verlust nach § 4 Abs. 4 – 7 UmwStG zu berücksichtigen. Dieser ergibt sich als Differenz zwischen dem Wertansatz des übernommenen BV und den Anschaffungskosten (AK) bzw. dem BW der untergehenden Anteile. Davon sind die nach § 7 UmwStG zuzurechnenden Bezüge abzuziehen. Das Ergebnis ist bestimmten Steuerbefreiungen bzw. Abzugsbeschränkungen unterworfen (§ 4 Abs. 6 und Abs. 7 UmwStG).

Ausschluss der BW-Fortführung: Wenn der übernehmende Rechtsträger (Personengesellschaft oder natürliche Person) selber über kein BV verfügt oder kein BV (insb. Betrieb) von der umgewandelten Kapitalgesellschaft „empfängt“, ist eine BW-Fortführung nach § 3 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 UmwStG ausgeschlossen und der gemeine Wert anzusetzen (§ 3 Abs. 1 S. 1 UmwStG). (...)


Verlag Dr. Otto Schmidt vom 02.10.2020 09:51
Quelle: Verlag Dr. Otto Schmidt

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